Weihnachten und Jahreswechsel

Wir laden Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten

24. Dezember: Heiliger Abend
14.30 Krabbelgottesdienst (Pfr. Uwe K. Hoos-Vermeil)
16.00 Familiengottesdienst (Pfr. Gerhard Lueg)
18.00 Christvesper (Pfr. Gerhard Lueg)
22.30 Christmette (Pfr. Uwe K. Hoos-Vermeil)

25. Dezember: 1. Feiertag
10.00 Abendmahlsgottesdienst (Pfr. Gerhard Lueg) 

26. Dezember: 2. Feiertag
10.00 Gottesdienst (Pfr. Uwe K. Hoos-Vermeil)

31. Dezember: Silvester
18.00 Gottesdienst (Pfr. Uwe K. Hoos-Vermeil)

1. Januar: Neujahr
17.00 Gottesdienst (Pfr. Gerhard Lueg) und anschließendem Neujahrsempfang im Haller-Haus

Bad Arolser Weihnachtskrippe

Die Weihnachtskrippe der Evangelischen Stadtkirche Bad Arolsen

geschnitzt von Hermann Pohl, Kassel,
erläutert von Dekan i.R. Heinz Gerlach

 

 
Jesus
 Das Kind in der Krippe ist die Hauptperson. Nackt und bloß liegt es da. Ohne Schutz ist es der rauen Welt preisgegeben. In ihm hat Gott menschliche Gestalt angenommen. Gott ist in unsere Haut geschlüpft. Näher kann er uns nicht mehr kommen. Menschliches Dasein – von der Krippe bis zum Kreuz – sind ihm vertraut.
Dieses Kind hat die Arme erhoben als wollte es sagen: „Zum Segnen bin ich gekommen!“ Ähnlich wird die Armhaltung auch später am Kreuz sein.

Maria
In himmlisches Blau gehüllt, von der Farbe der Liebe umgeben, so sitzt Maria da. Sie ist dem Kind zugewandt. Ihre rechte Hand, die Tat-Hand, ruht auf dem Knie und sagt: „Was hier geschieht, entspringt nicht menschlichem Planen und Wollen.“ Hier ist alles „Empfangen und Einwilligen“. Die Geste der vom Herzen kommenden Hand signalisiert: „Ich bin bereit.“
Maria war die erste, die Christus in sich aufnahm, in sich Gestalt gewinnen ließ. Als der Engel Gabriel – seitlich auf dem blauen Gewand Mariens dargestellt – ihr sagte, dass sie ein Kind empfangen werde. Sie stellte alle menschlichen Bedenken zurück und sprach: „Mir geschehe wie du gesagt hast!“

 

Josef
An Josef ist vieles ungewöhnlich. Nicht nur, dass er hier – anders als sonst üblich – als jugendlicher Mann dargestellt wird. Hinter seinem Kopf ist ein „zweites Gesicht“. Ein Engel scheint Josef etwas ins Ohr zu flüstern. Dreimal muss Josef „himmlisch geschubst“ werden, um zu tun, was nötig ist.
– Als er Maria wegen des Kindes verlassen will, erinnert ihn ein Engel im Traum an seine Pflicht, zu Maria zu stehen und sich des Kindes anzunehmen.
– Später wird ihm im Traum von einem Engel gesagt, er solle nach Ägypten fliehen und das Kind vor Herodes retten.
– Nach Herodes Tod wird dem Josef durch einen Engel bedeutet, er soll wieder zurückkehren nach Nazareth.

Drei Traumgesichte, die Josef ernst nahm, weil er darin Gottes Willen erkannte, bewirkten Heilsames. Am Ende des Matthäusevangeliums, als Pontius Pilatus Jesus verhört, spielt nochmals ein Traum eine Rolle: Die Frau des Pilatus hatte geträumt und warnte ihren Mann, Jesus nicht zu verurteilen (Mt 27,19). Er aber hörte nicht auf sie. Die Missachtung des Traumes führte zum Unheil, zur Kreuzigung.

Die Figuren sind aus einer Linde geschnitzt, die im Pfarrgarten in Wellen stand – also waldeckisches Holz. Beim Schnitzen stieß der Künstler auf einen Granatsplitter, der den Baum am Ende des Zweiten Weltkrieges getroffen hatte. Diesen Splitter, dieses Zeichen von Unheil in unserer Welt, hat der Künstler nicht achtlos weggeworfen. In seiner Linken hält Josef den Splitter als Zeichen, dass unsere Welt vom Unheil gezeichnet ist und der Erlösung bedarf.
In seiner Rechten hält er einen Stecken, mit dem er auf Jesus weist und diesen Menschen als den Heiland Gottes vorstellt: „Ich bin der Weg.“ Jesus hat die Nächstenliebe bis hin zur Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern er hat sie auch gelebt. Vergebung und Versöhnung – das ist der einzige Weg, der zur Heilung unserer kranken Welt führen kann.

Ochse und Esel
Die Evangelisten hielten den Ochsen an der Krippe nicht der Erwähnung für wert. Die Künstler erst haben ihm dort den Platz erstritten. Sie kannten das Prophetenwort: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht“ (Jes 1,3).
Bullig und massig steht er da, nicht als „Goldenes Kalb“, um Blicke auf sich zu lenken, sondern eher mit traurigem Blick als würde er an die vielen Opfertiere denken, die die Menschen dargebracht haben, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Nun muss die Versöhnung nicht mehr länger durch Opfer erkauft werden. Diesem Leid der Tiere wollte Jesus ein Ende setzen. Die „seufzende Kreatur“ (Röm 8,22) hat sich zum Dank an der Krippe ihres Erlösers eingefunden und ihre Futterkrippe geräumt für den, der wahrhaft „Brot des Lebens“, der Mittel zum Leben ist.
Wie der Ochse, so kennt auch der Esel seinen Herrn und beschämt so manchen unter uns. Er ist ein Lastenträger: geduldig, genügsam, geschlagen. Er dient der schwangeren Maria auf dem Weg von Nazareth nach Bethlehem. Er wird Gehilfe bei der Flucht nach Ägypten. Ein Esel wird später den Herrn tragen, wenn er in Jerusalem einreitet. Er sagt sein einwilligendes „I-ah!“ und ist „ganz Ohr“, damit aus dem Hören das Gehorchen folgen kann. Er schaut auf das Kind.
In diesem Kind in der Krippe hat der Esel seinen Meister gefunden. Denn Jesus ist der Lastenträger schlechthin: Jesus trägt die Sünde der ganzen Welt. Jesus lässt sich zum „Sünden-bock“ machen. Er lässt sich schlagen, ohne zu murren. Er willigt in den Willen Gottes ein wie kein anderer und ist so Hinweis auf den Herrn. Der Esel stellt uns die Frage: „Ist Jesus auch dein Herr?“

Der Verkündigungsengel
Engel sind Wesen, in denen Gott aus seiner Unsichtbarkeit hervortritt. Darum die Wolke, die den Engel umgibt. Sie ist Zeichen der unsichtbaren Nähe Gottes. Die Wolke signalisiert Gottes unsichtbares Dasein.
– Als Gott mit Mose sprach, umhüllte eine Wolke sein Zelt.
– Als Gott im Tempel bei dessen Einweihung einzog, erfüllte eine Wolke den Tempel.
– Auf dem „Berg der Verklärung“, aber auch in der Himmelfahrtsgeschichte steht die Wolke für Gottes unsichtbare Gegenwart.
Die Flügel des Engels sind Ausweis, dass er nicht in eigenem Namen redet, sondern Botschafter ist. Sein Erkennungswort heißt: „Fürchtet euch nicht!“ Seine Botschaft lautet: „Große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren.“
Die Hand ist zum Segen erhoben. Wo das „Ehre sei Gott in der Höhe“ erklingt, wo Gott in seinem Gottsein ernst genommen wird, wo der Mensch seinem Schöpfer die Ehre gibt, da wird „Friede auf Erden“, da wächst Geschwisterlichkeit, da werden unter dem gemeinsamen Vater die Menschen zu Kindern Gottes.

Der Hirte mit dem Hütehund
Hirten waren nicht vertrauenswürdig. Hirten gehörten zu den „Ewig-zu-kurz-Gekommenen“. Hirten standen am Rand der Gesellschaft. Sie waren die Ersten, die die frohe Botschaft erhielten: „Gott verachtet keinen. Vor ihm zählen weder Bildung noch sozialer Stand. Gott will nur leere Hände füllen.“
Diese Botschaft können die Hirten nicht für sich behalten. Die Hirten (lateinisch: pastores) werden die ersten Prediger: „Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten“ (Lk 2,20).
Der Hirte mit dem Hütehund wendet sich um. Er schaut nach dem Kind in der Krippe. Nur wer bereit ist, sich umzusehen, der wird auch Neues entdecken. Umkehr nennt die Bibel Buße. Eine neue Sichtweise bekommen – darum geht es.
In der Hand hält er einen Stein. Was hat es damit auf sich? Wenn die Hirten Israels ihre Schafe aus der Hürde ließen und abzählten, so legten sie für jedes Tier einen kleinen Stein in einen Lederbeutel, den „Beutel der Lebenden“. Am Abend machten sie die Gegenprobe und konnten feststellen, ob eines der Tiere fehlte. Symbolisiert dieser offenbar übrig gebliebene Stein, dass eines der Tiere fehlt – vielleicht der Betrachter? Das Kind in der Krippe ist gekommen, „um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“. Aus diesem „Beutel der Lebenden“ entwickelte sich die Vorstellung vom „Buch des Lebens“, in dem wir bei Gott verzeichnet sind seit unserer Taufe. Er hat uns bei unserem Namen, dem, was uns ausmacht und von jedem anderen unterscheidet, gerufen und zu uns gesagt: „Du bist mein.“ Welche Macht könnte uns dann aus seiner Hand reißen? Was Gott gehört, nimmt ihm keiner weg – nicht einmal Tod und Teufel. Diese seine Zusage steht am Anfang unseres Lebens. Und darauf allein werden wir am Ende bauen können.

Der Hirte mit dem Engel und den Tieren
Nicht die „Verkündigungsszene auf den Hirtenfeldern“ hat der Künstler dargestellt – dann müssten die Hirten erschrocken zum Engel schauen! -, sondern die Anbetungsszene: Sie wenden sich dem Kind in der Krippe zu und erkennen, wer dieses Kind ist. Die Botschaft des Engels begleitet sie: „Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!“ (Lk 2,12). Ganz und gar Mensch wird Gott! So nahe kommt er uns. Der kleine Engel am Arm des linken Hirten deutet es, dass es die Engelsbotschaft ist, die sie in Bewegung gesetzt hat.
An den Füßen dieses Hirten entdecken wir einen Igel und einen Frosch. Das ist nicht „schmückendes Beiwerk“, sondern Botschaft: Igel und Frosch sind Symbole der Auferweckung. Beide halten Winterschlaf und erwachen im Frühjahr quasi zu neuem Leben. In Märchen stellt der Frosch oft das erlösungsbedürftige Wesen dar – vom Bösen verzaubert und gebannt.
– der Hirte mit dem Hütehund und dem Stein in der Hand sagt: „Dieses Kind in der Krippe sucht, was verloren ist“.
– Der Hirte mit dem Engel und den Tieren verkündet: „Dieses Kind in der Krippe ist der Erlöser, der uns aus dem Schlaf des Todes erwecken wird zu neuem Leben“.

Die Weisen

Der Weise, der auf den Stern zeigt
 Ein Stern hat ihnen den Weg nach Bethlehem gezeigt. Der „Königsstern“ Jupiter und Saturn, der „Stern Israels“, rückten zusammen. Der Kosmos weist darauf hin, dass ein besonderer König geboren ist. Nicht die Mächtigen in Jerusalem, weder Herodes noch seine Gelehrten, sondern Heiden erkennen in dem Kind den „Herrn aller Herren“. Mit Jesus kam das Heil eben nicht nur an das „auserwählte Volks Israel“, sondern nun gilt das Heil „aller Welt“.
– Aus dem königlichen Charakter der Gaben hat man geschlossen, es müsste sich um drei Könige gehandelt haben. Das Prophetenwort sah man als erfüllt an: „Die Heiden werden zu deinem Licht ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Gold und Weihrauch werden sie bringen und des Herrn Lob verkündigen“ (Jes 60,6).
– Es gibt eine sehr profane Deutungen der Gaben: Das Gold sollte dazu dienen, die Grenzsoldaten bei der Flucht nach Ägypten zu bestechen; der Weihrauch sollte im Stall für angenehmeren Duft sorgen; die Myrrhe sei zur Gesundheitspflege des Kindes bestimmt gewesen.
– Oder kommen in den Gaben die Sehnsüchte der Menschen zum Ausdruck?
– Wir sehnen uns nach Reinheit, nach Überwindung unseres sündigen Seins. Wir möchten rein sein wie Gold.
– Wir sehnen uns nach der Nähe Gottes, möchten die Erdenschwere abschütteln und Gott wie der Weihrauch ein „guter Geruch“ sein.
– Wir sehnen uns nach der Überwindung des Todes. Die Myrrhe wurde bei der Balsamierung der Toten verwendet!
– Weit schreitet der Weise, der nach dem Stern zeigt, aus. Unterwegs sein, sich auf den Weg machen, die Sehnsucht nach Erlösung im Herzen tragen – das sind die Voraussetzungen für alles weitere. Der Künstler ließ diesen Weisen sagen: „Ihr Vögel, zeigt mir den Weg!“ Er orientiert sich „nach oben“, „greift nach den Sternen“, weil Irdisches dauerhaft nicht zu befriedigen vermag.

Der Weise mit der Antilope
Dass es d r e i Männer waren, das schloss man aus den drei verschiedenen Gaben. Am Dreikönigstag ziehen die Sternsinger von Haus zu Haus. Sie schreiben die Anfangsbuchstaben eines Segensspruches und die Jahreszahl mit Kreide auf die Haustüren: „Christus Mansionem Benedicat!“ = „Christus segne dieses Haus!“ Von diesen Buchstaben leitete die Volksfrömmigkeit die drei Namen ab: Caspar, Melchior und Balthasar. Neue Traditionen wachsen an die alten an. An einem der drei Weisen springt eine Antilope, das Tier der Steppe, hoch. Der Künstler hat wohl an einen Nordafrikaner gedacht, als er erläuterte: „Die Antilope wies mich zurecht, als ich nicht mehr weiter wusste. Dorthin musst du gehen – sprach sie – und du wirst finden, was du suchst. Du gehst auch für uns.“ Die Einbeziehung der ganzen Schöpfung in die Erlösung liegt dem Künstler am Herzen.
– In einem kunstvoll geformten Gefäß bringt dieser Weise Myrrhen-Salbe. Diese verweist darauf: Dieses Kind in der Krippe ist „der Gesalbte“ – auf Hebräisch: „Messias“, auf Griechisch: „Christos“, auf Lateinisch: „Christus“.

Der Weise mit dem Knaben
Auch dies steht nicht in der Bibel, sondern die Tradition hat es hinzugefügt, dass ein Farbiger unter den drei Weisen gewesen sei. Jeder der drei Weisen steht für einen Erdteil. Der Weise, der zum Bethlehemstern zeigt, steht für Europa. Der Weise mit der Antilope vertritt Afrika. Der Farbige – hier nicht als afrikanischer Mohr, sondern als dunkelhäutiger Asiate dargestellt – vertritt den Osten, denn sie kamen aus dem „Morgenland“, dem Land der aufgehenden Sonne. An seiner Seite ist ein Gepard zu sehen, das schnellste unter den vierfüßigen Tieren. Der Künstler meinte zu Gold, Knabe und Gepard: „Knabe, du hast mich begleitet, überreiche du die Gabe; es ist Gold nicht zum Reichtum, es ist der goldene Schmuck der Sonne für den König. Du Gepard hast nun eine kurze Zeit zum Ausruhen. Dein rascher Lauf hat dich zum Ziel gebracht auf deine Weise.“
Johannes Emde aus Schmillinghausen gehörte zu den Mitbegründern der Evangelischen Kirche von Ost-Java. Mit dieser Kirche sind wir partnerschaftlich verbunden. Diese junge Kirche hat das Evangelium wie einen Goldschatz angenommen. Sie ist eine wachsende Kirche. In der Hand, die vom Herzen kommt, hält der Weise ein langes Tuch, als wollte er es ablegen und uns überreichen. Ist dieses Tuch ein „Ulos“, wie es der Gast bei den Bataks als Zeichen des Friedens und Willkommens überreicht bekommt? Es wäre dann als ein Zeichen weltweiter Verbundenheit und der anzustrebenden Geschwisterlichkeit aller Menschen zu verstehen.
Mit den Hirten und den Weisen sind alle sozialen Schichten vertreten. Allen Hautfarben und Erdteilen, allen Generationen und aller Kreatur – nicht nur den Menschen! – ist das Heil angeboten durch dieses Kind in der Krippe. Die Botschaft ist gesagt. Die Antwort muss der Betrachter finden.
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